Verdünnungs- und Trägerstoffe
Als Träger und Verbindungsstoffe dienen in der Regel, Alkohol (Weingeist) und Milchzuckerkügelchen (Globuli). Selten werden auch Tabletten und Ampullen zur Injektion und Salben verwendet. Die Heilstoffe werden mit den Trägerstoffen verdünnt. Dabei wird der Heilstoff und Trägerstoff nicht nur vermischt, sondern auch auf jede Verdünnungstufe kräftig verschüttelt bzw. im Falle von Milchzucker verrieben (Triturationen).
Hahnemann nannte diesen Vorgang, der eine wirkungserhöhende Bedeutung hat, Potenzierung oder Dynamisierung.
Die Potenzen
In der Homöopathie sind folgende drei Potenzen gebräuchlich:
» Dezimal-Potenz (Kennzeichen: D, wird im Verhältnis 1:10 verdünnt)
» Centesimal-Potenz (Kennzeichen: C, wird im Verhältnis 1:10000 verdünnt)
» LM-Potenz (Kennzeichen: LM, wird im Verhältnis 1:50000 verdünnt)
Ein Beispiel mit Arnika:
Es werden 1 Teil der Urtinktur von Arnika mit 9 Teilen Weingeist vermischt und verschüttelt, also zb. 10 Tropfen Arnika und 90 Tropfen Weingeist. Diese Verdünnung ergibt die erste Dezimalpotenz, die D1. Entnimmt man nun einen Teil des D1, die in einem Mischverhältnis 1:10 vorliegt, mischt und verschüttelt ihn mit 9 Teilen Weingeist, so erhält man die D2, die einem Teil Arnika und 99 Teilen Weingeist entspricht, also ein Mischverhältnis von 1:100 aufweist.
Arnika in der Potenz D4 hat schon einen Verdünnungsgrad von 1:10000, verständlich, dass auch sehr giftige Stoffe wie Schlangengift dabei ihre Giftwirkung verlieren und ab der D4 rezeptfrei erhältlich sind. Eine D30 enthält keine physikalisch nachweisbaren Moleküle des Ausgangsstoffs mehr. Trotzdem, und das ist naturwissenschaftlich gesehen sicher paradox, wird die homöopathische Arznei in den höheren Potenzen "mächtiger" und "kräftiger".
Centesimal-Potenzen mit dem Zahlensymbol C sind in der Schweiz , in Frankreich und Indien am häufigsten gebräuchlich. Hahnemann bediente sich bei der Herstellung seiner Arzneizubereitung hauptsächlich dieser Verdünnungsart.
Bei der Gewinnung der Centesimalpotenz wird Teil 1 des ursprünglichen Heilstoffes mit 99 Teilen des Trägerstoffes verdünnt, also mit 99 Teilen Weingeist verschüttelt, bzw. mit 99 Teilen Milchzucker verrieben. Die erste Centesimalpotenz, die C1, entspricht also der zweiten Dezimalpotenz, der D2, mit einer Verdünnung von 1:100.
LM-Potenzen sind 50000er-Potenzen mit einer Verdünnung von 1:50000. Sie wurden von Hahnemann gegen Ende seines Lebens entwickelt. Grund dafür waren zwei immer wiederkehrende Probleme bei der homöopathischen Behandlung: Das Auftreten von Erstverschlimmerungen ,auch bei höheren Potenzen und die oft sehr lang andauernde Behandlung von chronischen Erkrankungen. Hahnemann machte schnell die Erfahrung, dass die LM-Potenzen zwar sanft, aber auch tief greifend wirken. Er nannte die LM-Potenzen die vollkommensten seiner Heilmittel. LM-Potenzen können auch über längere Zeit täglich gegeben werden, ohne dass es zu den Tiefs und Erstverschlimmerungen kommt, die nicht selten bei den höheren D- und C-Potenzen auftreten. In der Therapie werden üblicherweise Potenzen ab der LM 6 bis hin LM 30 angewandt.
Die Verwendung der Potenzen
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick zum Verdünnungsgrad einiger Potenzen:
| Dezimalpotenz | Centesimalpotenz | Arzneigehalt |
| | |
| D1 | | 1/10 |
| D2 | C1 | 1/100 |
| D3 | | 1/1000 |
| D4 | C2 | 1/10000 |
| D5 | | 1/100000 |
| D6 | C3 | 1/1000000 |
| D7 | | 1/10000000 |
| D8 | C4 | 1/100000000 |
| D9 | | 1/1000000000 |
| D10 | C5 | 1/10000000000 |
| D11 | | 1/100000000000 |
| D12 | C6 | 1/1000000000000 |
usw.
Das Mischverhältnis einer Potenz C6 und einer D12 ist zwar dasselbe ,aber sie unterscheiden sich durch die Anzahl ihrer Potenzierungsstufen. Selbst zu Lebzeiten Hahnemanns verwendeten seine Mitarbeiter die D-Potenz. Der damals kleinste Verdünnungsschritt 1:100, den Hahnemann für seine C-Potenz benutzte, war der Auffassung seiner Mitarbeiter nach, zu gross. Inzwischen weiss man, dass die Wirksamkeit einer homöopathischen Arznei mehr von der Zahl ihrer Potenzierungsstufen abhängt als vom Verdünnungsgrad.
Welche Potenz wird gegeben
Für die Höhe der Potenz, in der ein Mittel gegeben wird, haben sich aus der Therapeutischen Erfahrung eine Reihe von Anhaltspunkten ergeben.
Bei akuten Krankheiten, wie zum Beispiel: Infekten bakterieller oder viraler Art werden niedrige Potenzen gegeben, die oberflächlicher wirken und vor allem die Symptome behandeln, die mit Hilfe des Arzneimittelbildes benannt wurden.
Bei langwierigen, chronischen und tief liegenden Krankheiten werden üblicherweise hohe Potenzen verabreicht. Mittlerweile wird die LM Potenz häufiger gegeben, da sie mehr auf den ganzen Organismus, sowie auch auf Seele und Geist wirkt. Denn Hahnemann sagte, dass der Mensch aus Körper, Seele und Geist ein Dreieck bildet und alles drei muss im Gleichgewicht sein, damit wir gesund sind.
Je höher die Potenz ist, umso wichtiger ist die Übereinstimmung des Arzneimittelbildes mit den auftretenden Symptomen. Das zeigt noch einmal ganz deutlich das tiefere Potenzen "oberflächlicher" wirken, deshalb einen breiteren Anwendungsbereich haben. Höhere Potenzen wirken tiefer und genauer und müssen deshalb differenzierter ausgewählt werden.Dies sollte man einem Fachmann überlassen.
Bis zur D8 Potenz spricht man von tiefen und bis etwa zur D20 von mittleren Potenzen. Ab der D30 und der LM spricht man von hohen Potenzen, hier ist kein Molekül des Ausgangsstoffes mehr nachweisbar. Da diese Potenzen dennoch wirken, entwickelte man die Theorie, dass der Ausgangsstoff (die Urtinktur) als reine Information auf den Verdünnungsstoff (z.B. Weingeist) und von dort durch die entsprechende Anwendung (z.B. Tropfen, Globuli) auf unseren Körper übertragen wird.
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